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Künstler des Monats: Lukas Rosen

Ich treffe den Künstler des Monats in seinem Atelier in Moabit, in Berlin. Auf dem Weg dorthin komme ich an der ehemaligen Galerie Sandra Bürgel vorbei, eine beeindruckende Galerie, die der Berliner Gentrifizierung zum Opfer fiel und seit einem halben Jahr leer steht. Ich schaue in den leeren Raum und frage mich, wo die Berliner Künstler der Zukunft ausstellen werden? Berlin wird immer enger, aber überall sind aufstrebende Künstler:innen versteckt. Einen davon treffe ich heute.

Das Atelier von Lukas Rosen ist ein kleiner, schmaler Raum in einem Moabiter Hinterhaus. Es ist schön warm und es hat genug Platz für einen Zeichentisch und eine kleine Küche.

Lukas studiert Illustration an der HAW in Hamburg und lebt seit einiger Zeit von seiner Kunst. Er arbeitet hier in Berlin. Die Wurzeln seiner Kunst liegen in der Illustration, aber sie wachsen mittlerweile an einigen Stellen über diese hinaus. Er selbst bezeichnet sich nicht als den besten Illustrator oder Grafiker, dennoch war es ihm wichtig keinen klassischen künstlerischen Studiengang zu wählen.

Mit welchen Materialien arbeitest du?

Ich arbeite mit Bleistift und Ölkreide auf Papier und Holz.

Was würdest du antworten, wenn man deine Arbeiten als Comichaft bezeichnen würde?

Ich arbeite viel mit Schrift und weißen Flächen in Kontrast zu meinen Figuren. Ich mag den Begriff Comic, weil er so ungroß ist und etwas Bodenständiges hat. Ich möchte Bodenständigkeit ausstrahlen. Von daher ist das etwas, was ich gar nicht abstreiten wollen würde.

Wie kommst du zu deinen Arbeiten? Inspiriert dich etwas im Alltag oder sind es ausgedachte Situationen?

Meine Arbeit entsteht aus Gefühlen und aus dem Affekt. Ich mache viele Skizzen.

Oft beginnen sie mit einem gewissen Pathos, welcher dann durch die schrägen und schiefen Figuren ausgegelichen wird. Ich würde sagen, ich trage einen Blanaceakt aus zwischen Pathos und Komik.

Deine Figuren wirken auf mich teilweise geschlechtslos, dann haben sie aber doch wieder sehr spezifische Geschlechtsmerkmale. Wie stehst du zum Thema Geschlecht deiner Figuren?

Meine Figuren leben ein wenig in einer anderen Realität, in welcher nicht mehr unbedingt getrennt wird zwischen Mann, Frau, Divers. Die Figuren sind eher geschlechtslos oder alles zugleich.

Welche Rolle spielt Text in deiner Arbeit?

Ich lese sehr viel, auch viel Gedichte und Lyrik und beschäftige mich super viel damit. Und ich schreibe selbst Gedichte – Und bringe jetzt auch ein Gedichtband raus.

Text ist etwas, das meine Kunst auf jeden Fall beeinflusst.

Braucht deine Kunst den Text oder funktioniert es auch ohne?

Ich habe auf Ausstellungen auch rein geschriebene Gedichte als Kunstwerk verkauft.

Es kommt darauf an, wie ich anfange und was ich im Kopf habe.

Die Text-Bild Kombinationen brauchen das Lyrische, andere Bilder sprechen dagegen wieder für sich selbst. Ich würde das auch nicht alles so strikt voneinander trennen.

Eine Professorin von mir meinte mal: Ein Text ist geschriebene Zeichnung.

Das ist eine schöne Formulierung!

Sind deine Texte in dem Gedichtband auch handgeschrieben?

Ja, sie sind handgeschrieben und dann vervielfältigt. 

Die eigene Handschrift nimmt auch eine gewisse Distanz weg! Sie lässt den Betrachtenden ganz nah heran. Und wie bist du zu deinen Figuren gekommen? Waren sie schon immer dein signifikantes Merkmal?

Mit den Figuren hat meine künstlerische Postionen angefangen sich zu verfestigen. Ich habe sehr viel ausprobiert und auch z. B. Anatomie viel studiert, um den Körper zu verstehen. Weil ich dachte, dass man das machen muss, dass man es erst richtig machen muss! Davon bin ich wieder weggekommen -zum Glück!

Im Nachhinein hat mir die Anatomie aber auch viel für die Abstraktion gebracht, man versteht den Körper und seine Formen.

Wer inspiriert dich?

Babak Ganej ist auf jeden Fall ein Künstler zu dem ich hinauf schaue, aber finde auch viel Inspiration in der Literatur, zum Beispiel bei Judith Hermann und bei Musikern wie Daniel Johnston.

Manche deiner Arbeiten sind schwarz weiß, aber seit einiger Zeit kommen auch andere Farben dazu, unter anderem ein sehr eindrückliches Gelb. Woher kam der Schritt zur Farbe?

Ich habe das Gelb einfach entdeckt und da habe ich gemerkt wir, können uns anfreunden und da fühle ich mich wohl dabei.

Das ist auch etwas Neues, denn als mir meine künstlerische Position klarer wurde, wollte ich nicht mehr davon abrücken und immer genau dasselbe machen. Wenn ich an Farbe dachte, habe ich gemerkt, dass ich noch nicht so weit bin. Wahrscheinlich weil ich viele künstlerische Positionen kenne, die den Ansatz haben immer dasselbe zu machen. Aber als ich mich getraut habe, habe ich gemerkt, dass es gut tut davon abzurücken.

Und es kamen auch neue Motive dazu?

Ja, Zum Beispiel die Blumen waren neu. Die haben eigentlich keine Komik, sondern mehr Pathos.

Wie bist du zu Studierenden Kunstmarkt gekommen?

Ich habe mich angemeldet, um es mal auszuprobieren und mich dann für die Ausstellung in Leipzig beworben. Und das hat dann ja auch direkt geklappt und war so ein bisschen der Einstieg.

Wie sind deine Erfahrungen mit Studierenden Kunstmarkt?

Ich habe sehr viel gelernt. Zum Beispiel, wie man seine Werke richtig verpackt und wie wichtig das eigentlich ist. Es nervt total, wenn der Versanddienst ein Werk kaputt macht, weil du es nicht gut genug verpackt hast. Aber immer, wenn solche Probleme auftraten, war Erich ein guter Kommunikator zwischen den Kund:innen und mir.

Ich merke auch: Ich als Künstler bin wichtig und es ist wichtig, dass ich mich wohlfühle, genug Sachen verkaufe und dabei glücklich bin. Das ist Erich wirklich sehr wichtig.

Lukas zeigt mir noch einige seiner aktuellsten Arbeiten. Überall im Atelier hängen kleine Zeichnungen, Gedichte, Witze.  Um eine große Arbeit zu zeigen, steigt er auf eine Leiter. Er vereint Illustration, Comic und Malerei spielend. Seine Arbeit zeigt manchmal unbequeme Momente und bringt eine besondere Art von Wärme hinein. Sie ist ehrlich und ausbalanciert. 

zu den Werken von Lukas geht es HIER

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