Unterm Strich: Zeichnungen sind der Ursprung der Kunst

Welchen Stellenwert hat eigentlich die Zeichnung in der Kunst? Große Malereien und riesen Gemälde sind oft das Erste an das man bei Kunst und Kunstgeschichte denkt. Der Stellenwert der Zeichnung ist oft unklarer.  Aber was ist eigentlich eine Zeichnung? Und warum ist diese ein wichtiger Bestandteil der Kunstwelt?

Growing, Hochschule für Bildende Künste Dresden, Antonia Emilie Lehmann Material/Technik: Kohlezeichnung Entstehungsjahr: 2022

Was ist eine Zeichnung?

Bei einer Zeichnung wird ein Motiv oder eine Idee in vereinfachter Weise durch Linien und Striche dargestellt. Anders als in der Malerei wird das Motiv nicht durch Farbflächen, sondern durch Linien aufgebaut.

Seit dem 19. Jahrhundert gibt es auch noch den Begriff der Grafik, die meist durch zweidimensionale Darstellungen Ausdruck findet.

 

Akt ohne Titel, Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft Bonn, Anaïs Sauvage, Material/Technik: Kohle und Bleistift auf Papier Entstehungsjahr: 2021

Nach der klassischen Auffassung von Zeichnungen betont diese den Umriss eines Motivs. Heute gibt es aber viele unterschiedliche Arten von Zeichnungen und auch die Definition ist nicht mehr ganz so streng gesehen.

In der Sehnsucht nach Stille Osnabrück - Universität Mansour Sarrami Material/Technik: Fineliner und Marker auf Pappe Entstehungsjahr: 2015

Geschichte der Zeichnung

Die ersten Zeichnungen gab es wohl durch die Felsmalerei. 36.000 v. Chr. waren die Motive vorwiegend Jagd und Krieg. Dort sind auch die ersten Pigmente entstanden -> siehe Artikel Pigmente

Im westlichen Teil der Welt diente die Zeichnung im Mittelalter als Vorstudie für Malerei, Skulptur und Architektur und fand ihren Höhepunkt in der Buchmalerei. Allerdings war sie  zweckgebunden und wurde nicht als unabhängige Kunst verstanden. Im 15. Jahrhundert, mit der Entwicklung der Zentralperspektive erhält sie langsam mehr Wichtigkeit. Skizzenbücher und Zeichenstudien werden gängig.

 

The Traveller Hamburg - Hochschule für Bildende Künste Elizaveta Ostapenko Material/Technik: Buntstifte und Pastellkreide auf grundiertem Papier Entstehungsjahr: 2017

Im ostasiatischen Raum, hat sich im 6. Jahrhundert eine Kategorie der Zeichnung verfestigt, die wir selten in den europäischen Kunstgeschichtsbüchern aufnehmen. Die Tuschmalerei entstand aus der chinesischen Kalligrafie und wird unter der Verwendung von schwarzer Tusche hergestellt. Da dort der Pinsel als Werkzeug zum Einsatz kommt, wird sie oft eher der Aquarellzeichnung zugeordnet. Gerade durch die Technik, nur die Umrisse zu zeigen, kann sie aber thematisch auch als Zeichnung gesehen werden.

Heute ist die Zeichnung sehr frei, oft verschwimmen die Grenze zwischen Malerei und Zeichnung und es gibt viele Möglichkeiten auch in Mischformen zu arbeiten.

Untitled (closed eyes) Berlin Weißensee - Kunsthochschule Vivyan Klemke Material: Aquarell und Gesso auf Papier Entstehungsjahr: 2021 Aquarell aus der Serie: closed eyes

Käthe Kollwitz, Rembrandt, Egon Schiele sind nur ein paar der bekanntesten Künstler:innen, die Zeichnungen geprägt haben. Oft haben Zeichnungen es schwerer in der Kunst als eigenständige Arbeiten zu bestehen und sind oftmals mehr Kritik ausgesetzt. Dabei vergessen wir oftmals, dass Zeichnungen der Ursprung jeder Kunstform waren. Sie dienten als Dokumentation und Planungshilfe. Zeichnungen wohnt eine Leichtigkeit und Flüchtigkeit inne, die trotzdem eine jahrhundertelange Geschichtsträchtigkeit mit sich führt. Zeichnungen sollte man in ihrer Wichtigkeit und Bedeutung nicht unterschätzen.

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