Mehr als die Anatomie: Aktgemälde

Neben vielen anderen Kunstmotiven stehen Aktgemälde auch im Fokus des Studierenden Kunstmarkt Portfolios. Unter der Sucheingabe "Akt" oder "Aktgemälde" öffnet sich die Tür zu vielen sinnlichen Kunstwerken. Mit den verschiedensten Medien und den unterschiedlichsten Stilen wird der Körper porträtiert. Manche Aktgemälde sind zurückhaltend und zart, andere wiederum abstrakt und expressionistisch. Ein großes Spektrum dieser Genremalerei offenbart sich also mit nur wenigen Mausklicks.

Selbstporträt in Frühlingssonne, A4 Öl auf Malplatte, Janna Schnoor

Verschiedene Künstler:innen, verschiedene Stile

Die Kunststudentin und Künstlerin Linda Vega verbindet die weibliche Schönheit mit der Natur. Warme Farben und eine meditative Aura umgeben ihre Werke. Sophie Wegener, ebenfalls Teil des Studierenden Kunstmarkt, stellt den weiblichen Akt auf eine ganz andere Weise dar. Kühle Farben umhüllen die Bewegungen der Porträtierten und erzeugen das Gefühl, bei einem intimen Moment dabei sein zu dürfen. Die Aktmalerei ist ein fester Bestandteil des Kunststudiums. Sie lässt die Studierenden einen tiefen Einblick in die Anatomie, aber auch die Schönheit des Körpers erhaschen. Franz Rewoldt, auch Teil der Studierenden Kunstmarkt Community, widmet sich mit seinen Bleistiftzeichnungen zeitlosen Motiven, zu denen auch die Aktgemälde zählen. 

Rest, A0, Acryl auf Leinwand, Sophie Wegener

Weibliche Aktgemälde findet man in allen großen Museen wie dem Louvre oder dem MoMA. Doch was steckt hinter dem Begriff Akt? Und wie haben sich Aktgemälde bis heute und über die Epochen hinweg verändert? Gerade weibliche Akte sind populär und omnipräsent, die Definition des Akts schließt jedoch alle nackten menschlichen Körper mit ein und findet sich in Zeichnungen, Malerei, Grafik, Skulptur und Fotografie wieder. Ursprünglich bezeichnet der Begriff Akt die grafische Studie vom menschlichen Körper, die sogenannte Aktstudie. Entstanden ist der Begriff also als Schulterminus der Portrait- und Genremalerei im 19. Jahrhundert.

Das Aktgemälde im Laufe der Zeit

Blicken wir in der Zeit zurück, begegnet uns der wohl erste Akt im Jahr 25.000 v. Chr. Die „Venus von Willendorf“ wurde 1908 in Österreich entdeckt. Die 11 cm große Figur, die aus Kalkstein herausgearbeitet wurde, erscheint wie ein wahres Fruchtbarkeitssymbol. Ein beeindruckender Fund! Als eines der ältesten und vielfältigsten Genre erfreut sich der Akt großer Beliebtheit, doch erst die Griechen erhoben ihn zwischen 1200 v. Chr. – 600 n. Chr. zum selbstständigen Kunstgegenstand.

Der Blick und die Wertung des Akts und der Aktgemälde wandelte sich mit der Zeit aber immer wieder. Vom Mittelalter bis ins 15. Jahrhundert galt der nackte Körper als Sünde, Elend, Not, Schande, Unreinheit oder Armut und war daher eher verpönt. Aktdarstellungen und Aktgemälde waren nur für religiöse Motive zugelassen, beispielsweise erforderte die Geschichte von Adam und Eva die Nacktheit. Die Renaissance brachte wieder neuen Schwung in die Aktmalerei und gilt als eigentlicher Beginn der europäischen Aktzeichnung. Von dort an gilt sie als selbstständiges Kunstwerk.

Gedanken 000, A1 Acryl auf Leinwand, Olivia Emefiele

Die Aktmodelle

Wer waren aber nun die Modelle für diese Aktgemälde? Bis Ende des 17. Jahrhunderts waren die Modelle ausschließlich männlich. Erst danach war es auch Frauen gestattet, in den renommierten Universitäten und Akademien nackt als Modell zu posieren. Eine Aufgabe, die je nach Pose nicht sonderlich bequem war. Da die Modelle oftmals sehr lange in bestimmten Posen verharren mussten, meist den ganzen Malvorgang über, wurden oft Stangen und andere Konstruktionen benutzt, um den Körper zu fixieren. Der Croquis-Stil kam den Modellen bald zugute, in diesem mussten sie nämlich nur eine halbe Stunde ihre Pose einhalten.

Frühlingssonne auf der Brust, A4, Öl auf Malplatte, Janna Schnoor

Die Klischees der Aktmalerei

Betrachten wir die Aktgemälde Frauen, kommt einem oft ein Klischee in den Sinn: starke Männer, schöne Frauen. Das ist das, was die meisten Aktgemälde darstellen. Oft ist der weibliche Akt in der Kritik, da er die idealtypischen Schönheitsideale der Frau stigmatisiert und sie in bestimmten, größtenteils schwachen Posen zeigt. Je mehr wir aber im Hier und Jetzt ankommen und uns kritisch mit den Schönheitsidealen auseinandersetzen, schärfen wir unseren Blick und erkennen: Der weibliche Akt kommt ihn vielen Formen, Farben, Posen und Stimmungen. Sandro Botticellis „Geburt der Venus“ beispielsweise verkörpert die Frau als Göttin, die trotz ihrer Nacktheit kein Symbol der körperlichen, sondern der geistigen Liebe darstellt.

Akt Skizze 6, A3, Kohle auf Papier, Tatjana Hodes

Aktgemälde Männlich

Nicht so populär und oft thematisiert wie Frauenakte ist der Männerakt. Dennoch hat er eine lange Entwicklung hinter sich. Im antiken Griechenland spielte der männliche Akt durch die sportlichen Wettkämpfe eine große Rolle. Dieses Kräftemessen fand sich auch in der Kunst wieder. Nach und nach entwickelte sich das Aktbildnis des jungen Mannes zum Idealbild vieler Skulpturen. Es stand dabei nicht das Individuum im Fokus, sondern ein angestrebtes Idealbild. In der gotischen Kunst hingegen war die Nacktheit ein absolutes Tabu. Bis zur Renaissance war die katholische Kirche die einzige Förderin der Kunst und ließ daher keine Nacktheit zu.

Während der Renaissance kehrte das klassische Idealbild der griechisch-römischen Kultur zurück und insbesondere der männliche Akt stand im Fokus. Maler wie Hieronymus Bosch und Jan van Eyck sind Künstler, die berühmte Aktgemälde hervorbrachten bzw. den nackten Mann in ihre Kunstwerke mit aufnahmen. Während des Barocks war der männliche Akt weitgehend auf mythologische Motive beschränkt. Über all die Epochen hinweg bis heute hat sich die Bedeutung des männlichen Akts immer mehr gewandelt. Vom Idealbild zum Individuum. Ein weiteres wichtiges Beispiel, das vorwiegend auf das Studium des menschlichen Körpers und dessen Proportionen ist Leonardo da Vincis „vitruvianischer Mensch“, das bis heute eines der berühmtesten und am meisten vervielfältigten Bildmotive ist.

Aktgemälde Paare

Neben männlichen und weiblichen Aktgemälden gibt es auch Motive, die Paare darstellen. Wie schon erwähnt, fallen die Werke der Künstlerin Vera Morosova in diese Kategorie und zeigen ein Paar beim Liebesakt. Akte, die Paare darstellen, beschäftigen sich überwiegend mit zwei Dingen: Liebe und/oder Lust. Ein schönes Beispiel dafür ist das Werk „Die Umarmung – Liebespaar II“ (1917) von Egon Schiele. Der Künstler der Wiener Moderne fängt einen intimen, beschwingten Moment ein. Im Fokus steht hier nicht die Nacktheit, sondern die Verbundenheit der beiden Personen. Moderne Aktgemälde stellen oft auch eine Szenerie dar. Es geht nicht mehr nur um den Körper selbst, sondern auch darum, eine Geschichte zu erzählen. Gerade die Abbildung eines Liebespaares als Aktgemälde unterstreicht die innige Verbindung des Paares noch deutlicher.

 

Die Geburt der Venus, Öl auf Leinwand, Maria Leisner

Aktgemälde bringen nicht nur eine lange Geschichte mit sich, sondern begeistern die Menschheit seit jeher. Dabei geht es mittlerweile um mehr als die Anatomie des Menschen und dessen allgemeine Darstellung. In den unterschiedlichsten Facetten begegnen uns Aktgemälde. Wer Aktbilder kaufen möchte, findet bei Studierenden Kunstmarkt eine immer größer werdende Auswahl. Hier findet ihr junge Künstler, die dieses Genre alle auf ihre ganz individuelle Weise darstellen und interpretieren.

Text von Katrin Kobberger

 

 

 

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