Michelle Mall – Das Ökosystem der Kunst

Künstlerin des Monats Dezember 2021 ist Michelle Mall, mit ihrer Vielseitigkeit und ehrlichen Art begeisterte sie in den letzten Wochen. Ihre Werke sind persönlich und ausdrucksstark. Michelle studiert  an der Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart (ABK) und ich freue mich, euch einen kleinen Einblick in ihre Arbeiten zu geben.

Schön, dass du Zeit für uns hast! Wie liefen denn die letzten Jahre im Studium für dich? 

Die letzten 3 Jahre waren jetzt leider wegen Corona nur online und ich hatte nicht so viel mit meiner Klasse zu tun, notdürftige Treffen über Zoom fanden statt, aber Klassentreffen in der Kunst sind sowieso immer sehr besonders, alle haben ihren eigenen Flow und wenn du das dann über Zoom machst wird das noch mal schwieriger. Wir waren jetzt die letzten Jahre sehr auf uns alleine gestellt. Dennoch habe ich einige wichtige Sachen gelernt.

Du studierst Kunst auf Lehramt, dann fängst du jetzt auch bald an der Schule an, oder?

Ja, ich bin auch schon sehr gespannt, bis jetzt war ja alles eher sehr abstrakt und hatte noch nicht so viel mit Schule zu tun. 

Ich empfand das Studium an sich als sehr hilfreich, denn man lernt irgendwie dieses “Standing“ als Künstler. Gerade am Anfang war ich sehr überfordert, aber habe jetzt durch die Zeit gelernt meine eigene Meinung zu haben und Sachen zu bewerten. Ich merke das auch richtig, wenn ich durch Instagram scrolle und so diese ganze Medienflut habe, dass ich trotzdem eine Position habe, die ich ohne dieses Studium wahrscheinlich nicht so ausgeprägt hätte.

Woran arbeitest du denn gerade?

Vor dem Studium und zu Beginn des Studiums habe ich noch sehr viel gemalt, kleinformatig. Bin dann aber umgeschwungen zur Fotografie, habe viel überlagerte Fotografie gemacht. Das bedeutet, dass die Fotos sehr arrangiert waren, fast wie ein Bühnenbild und das Foto wurde dann als finales Festhalten ausgewählt. Das war dann sozusagen ein Mischen aus allem Möglichen, wobei ich auch immer sehr nach dem Medium vorgehe, je nach Idee kommt das Medium dann dazu und ich bewege mich zwischen Zeichnung, Fotografie und Skulptur.

The Untouchable, 75 cm x 100 cm

Woran arbeitest du denn aktuell? Also hast du dann eine Phase, wo du dich eher auf ein Medium konzentrierst oder wechselt das die ganze Zeit?

In letzter Zeit habe ich ganz viel mit digitaler Malerei gearbeitet, es war ja sowieso alles digital und ich habe recht viel am iPad gearbeitet, dann hat sich das ganz gut angeboten auch digital da einzusteigen.

Ich wollte es eigentlich nur mal ausprobieren, es war dann aber wirklich angenehm und es gibt so eine große Bandbreite an Farben und Pinsel.

In letzter Zeit war meine Arbeit dann eher kleinformatiger, oder eben das Digitale, was ich dann als Auflage verkauft, habe eben, weil ich gerade für meine Masterarbeit auch sehr viel zu tun habe – ich habe einen 16 Quadratmeter großen Raum gebaut für eine Installation. Das hat einfach sehr viel Schwere gehabt und war sehr ernst, deshalb habe ich versucht mit den digitalen Arbeiten ein wenig einen Ausgleich zu finden.

Lines, 75 cm x 100 cm

Worum geht es denn in dieser schweren Arbeit, von der du grade erzählt hast - falls du darüber berichten willst natürlich.

Ja klar, der Titel der Arbeit ist „Ecosystem“ – mein zweites Fach ist übrigens Bio – und ich habe im Verlauf des Biostudiums natürlich immer mal wieder mit den Grundprinzipien eines Ökosystems hantiert und ich find die Idee spannend, die Balance zwischen Umwelt und Leben, also dieses Geben und Nehmen, was ja nicht nur in der Biologie ein System ist, sondern einfach grundsätzlich ein sehr spannendes und verletzliches Thema ist. Sobald irgendwas Kleines verändert wird, kippt das ganze und der Mensch kippt da ja sehr gerne mal das ein oder andere. Ich baue praktisch ein eigenes kleines Ökosystem, es sieht aus wie ein großes Terrarium und die Bewohner dieses Systems sollen dann in einer Performance interagieren. Die Teilnehmer bekommen dann von mir einen Anzug, der die natürliche Bewegung einschränkt, z. B. mit Blockaden an den Gelenken und somit müssen sie sich an die neue Umgebung anpassen.

In deiner digitalen Arbeit beschäftigst du dich aber eher mit Porträts, oder?

Ich beschäftige mich gerne mit Gesichtszügen und Porträts, gerade viele spannende Menschen aus meinem Umfeld inspirieren mich zu meinen Arbeiten. Es dreht sich alles um den Menschen, Mensch als Abstraktion.

Dekorative Vase, A1

Die digitalen Arbeiten und Fotografien verkaufst du dann auch?

Genau. Da läuft dann alles über die Auflagenzahl, ich lege eine bestimmte Anzahl an Auflagen fest und notiere dies dann auch im Echtheitszertifikat für die Käufer.

Über digitale Arbeiten gibt es ja viele verschiedene Meinungen. Würdest du sagen, dass du eine relativ gute Distanz entwickelt hast, zu den ganzen Meinungen der Professoren?

Ja, definitiv gehört das zu den Sachen, die ich gelernt habe an der ABK, weil ich auch schon festgestellt habe, dass die Meinung der Professoren variiert. Eine Professorin fand etwa eine Arbeit ganz toll, dann habe ich sie weiter ausgeführt und sie hielt es nicht für mehr toll, dann kam die Presse und hat darüber berichtet und dann empfand sie es als wieder fantastisch.

Feeling Pretty, 80 cm x 60 cm

Wie ist deine Erfahrung mit Studenten Kunstmarkt bzw. wie bist du denn zu uns gekommen?

Ich hatte es bei Maria gesehen, sie war ja Studentin des Monats November und sie hat das auf Instagram gepostet und dann sind echt einige von unserer Uni nachgezogen. 

Toll, dann seit ihr ja eine richtige ABK Community.

Genau! Ich musste mich tatsächlich etwas an die eigene Nase fassen, denn am Anfang habe ich die Sachen einfach nur reingestellt, ohne große Mühen zu Titel und Beschreibungen und das lief dann irgendwie nicht so gut, ich war auch schon kurz davor wieder aufzuhören…

...und dann hast du den Kontakt zu Erich gesucht und ihr habt im gemeinsamen Austausch versucht die Präsentation zu optimieren. Durch diese Hinweise und das Vertrauen in uns von deiner Seite aus, aber auch das sehen von Potenzial von uns aus, hat das dann einfach super funktioniert. Deshalb sprechen wir ja auch immer von dieser Studierenden Comunity in der wir uns gegenseitig unterstützen.

Genau! Und ich wurde wieder motiviert und habe gedacht, jetzt komm, gebe ich mir noch mal Mühe und habe dann alles mal mit Beschreibung und mit Bildern im Raum hochgeladen und plötzlich ist das so durch die Decke geschossen und dachte mir: Da war ich jetzt wirklich selber Schuld. Ich kann nur sagen, ich habe mitgenommen, dass es wirklich jedem das eigene Ding ist, wie viel Zeit man da rein steckt, aber es lohnt sich definitiv.

Es ist auch immer schön zu sehen, was hinter der Künstlerin steht und nicht nur kontextlose Werke zu sehen. Ich kann mir gut vorstellen, dass kunstbegeisterte Menschen positiv auf deine Beschreibungen reagieren!

Ich finde es auch schön, dass ich mit dem Studierenden Kunstmarkt die Erfahrung machen konnte, wie es tatsächlich auf dem Kunstmarkt läuft und auch sich mit der Frage beschäftigen, wie vermarktet man sich, was sagt man zu seinen Werken – dann auch in real live.

Deine Werke sind wirklich sehr gefragt und stoßen auf sehr viel Anklang. Wir haben für dich noch ein Statement von einem begeisterten Kunstsammler: "Das sind wahrscheinlich die besten Bilder von der besten Künstlerin die ich bisher auf deiner Seite gesehen habe."

Wir freuen uns sehr, dass du ein Teil unserer Community bist und gratulieren dir noch mal zum Titel Künstlerin des Monats!

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