Repräsentation in der Kunstgeschichte

Mit der Künstlerin des Monats November, Maria Leisner, habe ich letzte Woche ein Interview geführt.  Als Maria aus ihrem Studio auszog, hatte sie viele Werke, die noch unverkauft waren. Das Ziel einer Künstlerin ist natürlich, irgendwann Bilder zu verkaufen. Kunststudierende kennen die Schwierigkeiten: Wo soll ich anfangen meine Werke zu verkaufen und wie finde ich den Kundenkontakt? Hier setzt dann Studierenden Kunstmarkt an. Durch unsere Galerie haben Studierende so viele Werke verkauft wie nie zu vor und erreichen Menschen von überall. Man ist somit nicht mehr nur auf den eigenen Bekanntenkreis angewiesen. Innerhalb von kürzester Zeit nach dem Hochladen hat Maria mehrere Werke verkauft.  Verkauft man normalerweise vielleicht ein Bild pro Monat, so hat Maria innerhalb von ein paar Wochen das 10-fache verkauft. Ihre Werke sind sehr gefragt, die Reaktionen durchweg positiv. Maria Leisner hat auf Studierenden Kunstmarkt eine tolle Erfolgsgeschichte hingelegt.

“Themen wie Ungerechtigkeiten und die Verarbeitung der Kunstgeschichte tauchen in ihren Arbeiten auf. Bei unserem Interview von letzter Woche sind wir auf spannende Themen in der Kunstgeschichte gestoßen, die teilweise viel zu wenig Aufmerksamkeit erhalten.“

„Die Kunstgeschichte ist sehr männlich“, ein Satz, den man neuerdings immer wieder irgendwo aufgreift. Aber was bedeutet das eigentlich?

Picasso, Chagall, Van Gogh, Da Vinci –  wir alle kennen die Namen dieser großen Künstler. Doch wieso gibt es so wenig weibliche Berühmtheiten in der langen Geschichte der Kunstwelt? Das liegt nicht etwas daran, dass es keine Frauen gab, die großartiges gemalt haben, sondern viel eher daran, dass Frauen sehr lange überhaupt nicht malen durften. Auch durften Frauen lange keine männlichen Akte malen – außer es war ein anderer Mann anwesend. Grotesk, wenn man bedenkt, dass der  nackte weibliche Körper schon immer ein gängiges Motiv war.

Heute dürfen Frauen malen, dennoch hat der Kunstmarkt immer noch einen sehr hohen Männeranteil.

“Maria Leisner malt auf eine, sehr von positiver Energie geprägte Art und Weise Frauen in allen Formen und Größen. Stärke und Natürlichkeit werden auf einer sehr ehrlichen und realitätsnahen Weise dargestellt.“

In ihrer letzten Ausstellung hatte sie die Möglichkeit all diese Bilder vor einem großen Publikum zu präsentieren. Die Reaktionen waren sehr positiv, Marias Bilder wirken bestärkend und aufmunternd auf Frauen jedes Alters.

Welche Erfahrungen hattest du denn bei deiner Ausstellung?

Maria Leisner:

“Meine zwei kleinen Schwestern waren zum Beispiel auch mit ihren ganzen Freundinnen in meiner Ausstellung und waren auch total froh über den Gedanken, dass man nicht unbedingt super schlank und sportlich sein muss. Die beiden sind in einem Alter, wo man sich noch entwickelt und viel guckt, wie soll ich werden?  Sie waren alle hin und weg von der Darstellung der verschiedenen Körper und haben sich gefreut, dass Ihnen jemand sagt: Du bist genauso richtig!“

Man sagt ja immer Repräsentation ist essenziell und dass man auch den eigenen Körper irgendwo wieder erkennen kann, denn wir sehen ja leider immer nur ganz spezifische Körper im öffentlichen Raum. Eine der ersten Künstlerinnen, die diesen Platz im öffentlichen Raum einnahm war Paula Modersohn Becker - eine große Inspiration von dir.

“Paula Modersohn Becker kommt aus Dresden und ist auch eine der ersten, eher feministischen Künstlerinnen und sie wird auch bis heute von manchen Professoren immer noch nicht als richtige Künstlerin angesehen…wo ich mich dann auch manchmal frage, was hast du als Professor schon erreicht, dass du in der Position bis zu sagen, dass Paula Modersohn Becker keine Künstlerin ist.

Sie hatte einen sehr eigenen Stil und es hieß aber immer ihr Stil kommt eigentlich von ihrem Mann. Es wurde nie richtig wertgeschätzt, was sie produziert hat.“

Das ist wirklich lustig, weil gerade so große Künstler wie Picasso haben sich Teile des Kubismus ja auch von afrikanischen Ländern abgeschaut und überhaupt nicht selbst ausgedacht. Aber das hat nie jemand kritisiert.

Ganz anderes Thema: Bergführer in Nepal laufen jeden Tag auf die höchsten Berge, aber sobald ein Amerikaner oder Europäer es Ihnen nachmacht, wird er bejubelt. Oder alleine die Kunstgeschichte, was wir für unsere Kunstgeschichtsprüfung lernen mussten-da gab es kein einziges Bild aus einem afrikanischen Land – alles sehr Europa bezogen.

Eigentlich sollte man die Kunstgeschichte wohl „westliche Kunstgeschichte“ nennen. Wo findest du deine Informationen also wie bildest du dich zu solchen Themen weiter?

“Wenn mich Künstlerinnen interessieren, wie zum Beispiel Ana Mendieta, dann lese ich dazu super gerne oder schaue mir Dokus an. Vieles kommt auch von meiner Familie – ich komme aus einer Künstlerfamilie. Es gab schon immer viele Bücher bei meinen Eltern zu Hause. Aber auch vieles kommt über Instagram, gerade dadurch, dass man jetzt viele zeitgenössische Künstlerinnen verfolgen kann. Ich finde es toll, dass langsam die Akzeptanz für feministische Themen normalisiert wird.

Ich würde meine Bilder auch gar nicht als provokant bezeichnen, die sind einfach auch sehr schön und ästhetisch.“

Auf Studierenden Kunstmarkt versuchen wir möglichst viele verschiedene Künstler:innen zu vertreten. Die Kunstwelt durchlebt gerade einen großen Aufschwung und endlich gibt es in ihr auch immer mehr Vielfalt und Möglichkeiten. Gerade das macht junge, gute Kunst aus. Wir bieten euch die Chance, so wie Maria, eure aktuellen Werke hochzuladen und ein neues Publikum zu erhalten. 

Alle Werke von Maria Leisner findet ihr Hier.

Du bist Kunststudent:in und möchtest deine Werke zeigen? Melde dich Hier an.

 

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