Maria Leisner – Starke Frauen und keine Filter

Maria Leisners Kunstkarriere begann zunächst als Studentin an der FKS und ein Jahr später wurde sie dann an der ABK in Stuttgart angenommen. Sie ist mit ihren Bildern sehr erfolgreich und somit war es auch keine Überraschung, dass sie Künstlerin des Monats November wurde. Ich darf euch heute einen Einblick in Marias Werke und ihr künstlerisches Schaffen geben.

Weißer Tiger, 100 x 120 cm, Öl auf Leinwand

Hallo Maria, schön, dass du heute für uns Zeit hast. Magst du vielleicht kurz vorstellen, wo du studierst und bei welchen Professor:innen?

In Stuttgart war ich erst ein Jahr in der Grundklasse und habe mich dann für die Fachklasse in der Malerei beworben, man konzentriert sich dann nur noch auf eine Sache. Dann war ich bei Peter Chevalier und weil er vor 2 Jahren in Pension gegangen ist, war ich dann noch ein Jahr bei Anna Ingerfurth und Jörg Mandernach. Die waren sozusagen vertretende Professoren. 

Aktuell male ich zu Hause. Ich habe tatsächlich noch nie so viel gemalt wie seit ich zu Hause bin.

Eigentlich habe ich aber auch Lehramt studiert.

Dancing Lights, 55 x 65 cm, Öl auf Leinwand

Als du dich dann auf Malerei spezialisiert hast, war das dann auch weiterhin Lehramt? Oder nur noch Malerei?

Ja, genau, das war auch weiterhin Lehramt, die Lehrämtler und die freien Künstler sind in der gleichen Klasse und haben die gleiche Ausbildung nur zusätzlich geht man danach noch an die Schule und hat Pädagogikseminare. Und ich habe auch ein zweites Fach dazu, bei mir hieß das ein 5-jähriges Sportstudium – so wie Erich eigentlich.

Lustiger Zufall! Und mit dieser tollen Fächerkombi startest du jetzt bald auch in der Schule.  Du malst primär sehr große Bilder, oder?

Am Anfang des Studiums habe ich sehr klein gemalt und Richtung Bachelor bin ich dann immer größer geworden und habe versucht, dass die Tiere oder Menschen, die ich male, ungefähr lebensgroß sind. Gerade versuche ich aber eine relativ gute Balance zwischen klein und groß zu haben, da man sonst schnell zu verkrampft werden kann.

Shadow Lights, 60 x 59cm, Öl auf Leinwand

Jetzt hast du schon ein wenig von deinem Thema verraten: Tier und Menschen ziehen sich viel durch deine Bilder durch. Kannst du vielleicht ein wenig erzählen, womit du dich aktuell so beschäftigst?

Teil meiner Künstlerischen Arbeit sind Frauen, vorwiegend schwangere Frauen, aber auch nicht schwangere Frauen, weil ich irgendwann gemerkt habe, dass es nicht echt ist, wenn man nur schwangere Frauen malt, weil es in unserer Gesellschaft auch viele Frauen gibt, die nicht schwanger werden können oder wollen oder zum Beispiel keine Gebärmutter/Uterus haben.

Deshalb habe ich mich am Anfang noch viel mit schwangeren Frauen beschäftigt, aber später auch einen vielfältigeren Blick auf das ganze bekommen und dann zum Beispiel eine Serie gemalt: Pure. Das waren 7 Torsi –  nur Körper und ohne Gesicht, damit man im Motiv erst mal niemanden erkennen kann, die man persönlich kennt, aber trotzdem ein Sinnbild erschafft, für die Weiblichkeit und Körper, Formen und Natürlichkeit von Frauen.

Und jetzt bist du aber gerade eher an der Darstellung von Tieren dran, oder?

Genau, dazu kam auch das Bild der weißen Löwin, das als Beispiel für die Frau und wie sie in der Gesellschaft wahrgenommen wird steht. Mir war es sehr wichtig, ein Bild zu erschaffen, das mehr für die Stärke und Einzigartigkeit der Frau steht. Im ganzheitlichen Blick und als Wertschätzung. 

Durch diese Löwin bin ich auch wieder auf die tierischen Motive gelangt – gerade male ich an einem großen, starken Panther und an einem sehr großen Tiger. Die Raubkatzen stehen für mich auch immer noch in Verbindung mit den Frauen.  Ich male aber auch immer viel mit Pflanzen und Wäldern und behalte irgendwie immer diese Natürlichkeit bei. Viel Haut, viel Nacktheit, keine Filter.

Und woher bekommst du deine Modelle? 

Das ist vielleicht auch noch wichtig, ich habe ein Jahr lang in einer Hebammenpraxis gearbeitet, so kam ich auch auf mein Thema und hatte dort dann natürlich auch Frauen, die für mich Modell standen sowie Freundinnen, Bekannte – es war echt toll, wie viele Frauen mir da auch Vertrauen entgegengebracht haben. Und ich habe auch jetzt noch Bekanntschaften mit schwangeren Frauen, die ihre Schwangerschaft gern bei mir als Auftragsarbeit abbilden lassen möchten. Das ist wirklich ein schönes Umfeld und Thema und alle schweben in so einer Blase und freuen sich.

Bekommst du auch manchmal negative Reaktionen auf deine Bilder? Von Menschen, die etwa diese Abstufung von der Normalisierung weiblicher Körper mit Anzüglichkeit verwechseln?

Bis jetzt zum Glück nicht. Das liegt vielleicht auch an meinem relativ gut ausformulierten Portfolio, wo das Thema Nacktheit, Nippel, Brüste und Stillen in der Gesellschaft thematisiert und enttabuisiert wird. In meiner letzten Ausstellung hatte ich ja zum Beispiel auch die Madonna, die auf einem Stuhl thront und da ist es ja ganz klar, dass es auch um das Thema der Brüste und die Diskussion um das Stillen geht. Also eigentlich ist es ja keine Diskussion, sondern einfach nur ärgerlich, dass Frauen nicht überall stillen können oder dürfen… Offiziell ist es zwar überall erlaubt, aber bei Veranstaltungen und Restaurants gilt ja immer das Hausrecht der Veranstalter.

Panther, 110 x 130 cm, Öl auf Leinwand

Man findet bei dir auch einige kunstgeschichtliche Bezüge...

Genau, meine schwangeren Frauen, die ich gemalt habe, beziehen sich auch oft auf Werke aus der Kunstgeschichte, zum Beispiel meine Venus -inspiriert von Botticelli, die dann nicht super schlank, blond, langhaarig und weiß dargestellt wurde. Sie erinnert auch etwas an die Venus von Willendorf. 

Es hat also alles immer einen kunstgeschichtlichen Kontext. Auch Symbole wie etwa Erdbeeren, die mit Fruchtbarkeit assoziiert werden und die Farbe Rot, die auch als Blut gedeutet werden kann. Gerade auch auf die blutige Geburt bezogen, was ja auch einfach ganz normal und natürlich ist.

Die Geburt der Venus, 110 x 130 cm, Öl auf Leinwand

Ich finde deine Bezüge zur Kunstgeschichte wirklich spannend. Gerade auch in Bezug auf Darstellungen wurden zum Beispiel Schwarze Frauen nie wirklich gezeigt oder wenn dann nur im Hintergrund oder z. B. als Dienerinnen. 

Allgemein fehlte diese Repräsentation in dem europäischen Kunstkanon sehr. Und, was mir auch noch sehr wichtig ist: Frauen wurden in der Kunstgeschichte immer nur von Männern für andere Männer gemalt. Paula Modersohn Becker war zum Beispiel eine der ersten Frauen, die einen schwangeren Selbstakt gemalt hat – und dabei war sie dort gar nicht schwanger. Mir geht es darum, dass wir als Frauen, Frauen nackt malen können, aber mit einem ganz anderen Hintergrund als Männer für Männer. Was dann gar nicht mehr pornografisch wirkt, sondern eher sowas wie Falten, Narben und Haut betont und zeigt, dass es einfach normal ist.

Ausstellung 2021

Und wie bist du zu Studierenden Kunstmarkt gekommen?

Als ich aus meinem Atelier rausmusste, habe ich mich gefragt, was mache ich mit all meinen Bilder und habe dann erstmal nur ältere Arbeiten hochgeladen und das hat dann so funktioniert und dann hat es mich auch wirklich motiviert weiterzumachen.

Was war das Thema deiner letzten Ausstellung?

Das Thema der letzten Ausstellung im Juli war Sub Partu, das ist Latein und bedeutet unter Geburt und damit meine ich nicht nur den Moment der Geburt, sondern auch die Geburt von einer neuen Denkweise über Frauen und einem neuen Blick auf den eigenen Wert.

Ich finde das Tolle an deinen Werken, dass du den Frauen Platz einräumst. Natürlich könntest du auch direkt kritisieren, dass Männer in unserer Gesellschaft viel Platz erhalten, aber stattdessen gibst du einfach den Frauen den Raum, den sie brauchen und der ihnen lange verwehrt wurde. Deine Werke sind somit ein wichtiger Beitrag zur Entwicklung unserer Gesellschaft. Vielen Dank für das tolle Gespräch vom Thema der Akzeptanz bis hin zur Kunstgeschichte.

Alle Werke von Maria Leisner findet ihr Hier.

Kleine Venus, 15 x 15 cm, Öl auf Leinwand
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