Die richtige Farbe am richtigen Ort

In den letzten zwei Artikeln zum Thema Kunsthandwerk haben Katrin und ich euch Anleitungen zu Ölpigmenten und Acrylpigmenten vorgestellt. Wir haben uns dabei für Pigmente von Kremer entschieden, da die Firma für eine große Qualität steht. Viele aktuelle Künstler:innen wenden sich bei besonderen Ideen und Projekten an Kremer. Am Montag durfte ich eine Veranstaltung vom Palais Populaire besuchen, einem Museum unter den Linden in Berlin.

Die ersten Pigmente der Geschichte

Zum Gespräch geladen ist Herr Georg Kremer, Gründer von Kremer Pigmente. Um das eigene Wissen zu vertiefen sind solche Gespräche immer eine tolle Anlaufstelle. Herr Kremer nimmt uns mit in die Geschichte der Pigmente.

Pigmente waren und sind ein Symbol für eine Konservierung vom Leben. Die ersten Farben, die in Höhlen auftauchten, waren Erdfarben, gewonnen von Pflanzen und Tieren. Schwarz, Weiß, Gelb und Rot waren hier das nicht allzu breite Farbspektrum. Schwarz gewann man aus Holzkohle und Schiefer, bei Weiß griff man auf tierische Abfallprodukte (Vogelkot) zurück. Organische Materialien gerade in Bezug auf Färben von Stoffen sind sehr viel schlechter erhalten als Mineralien, mit Krappwurzel gefärbte Wolle und mit Purpur gefärbte Seide sind die ältesten bekannten Stoffe. Kremer vermutet, dass es aber durchaus schon früher pflanzlich gefärbte Stoffe gab.

Lapislazuli, Bayrisch grüne Erde und Chrysokoll

Zum Gespräch bringt Herr Kremer 3 verschiedene, große Steine mit. Sie werden identifiziert als Lapis Lazuli, Bayrisch Grüne Erde und Chrysokoll.

Lapislazuli tauchte das erste Mal in Kairo auf – ein bemalter Koran schmückte sich mit ebendiesen Pigment. Mit bayrisch- grüner Erde wurden im Süden oftmals Häuser bemalt. Beeindruckender Weise kann man den Steinen schon jetzt eine tolle Farbkraft ansehen.

Wie wird aus dem Stein ein Pigment?

Bei Steinen in der Größe wie Kremer sie uns präsentiert, wird zunächst mit einem Hammer die Größe etwas heruntergehauen. Die 5-10 Zentimeter großen Stücke kommen dann in eine Maschine und werden von dieser in erbsengroßer Form wieder ausgespuckt. Dann wird alles auf 1/2 Millimeter runter gesiebt und am Ende in eine Mühle gesteckt, bis es das feine Pigmentenpulver ergibt.  Für besonders harte Brocken gibt es die Kugelmühle, die mit Hilfe von Mahlkugeln für die Zerkleinerung sorgt.

Pigmente aus Kleidung

Die Firma Kremer erhält viele spannende Aufträge von Künstler:innen. Besonders beeindruckend ist das Projekt Großer Akt in Winterlandschaft von Tobias Rehberger. 

Rehbergs komplette Kleidung – bis auf ein Set und seinen Hochzeitsanzug – werden verbrannt, um aus der Asche Druckfarbe herzustellen. Um dieses Verfahren gelingen zu lassen, müsse diese auf 800 Grad in bestimmten Dosen verbrannt werden. Übrig bleibt ein schwarzes Gewebe aus dem die schwarze Siebdruckfarbe und somit die Printreihe entsteht. Solch besondere Projekte setzt die Firma Kremer um und sieht sich immer als Unterstützung der Künstler:innen. 

„Alle Farben sind an ihrem richtigen Ort schön.“

Zum Schluss wird Herr Kremer noch gefragt, „Was ist ihre Lieblingsfarbe?“ Eine Frage, die wohl alle im Kopf haben. Georg Kremer kennt mehrere Tausend Pigmente persönlich. Darunter muss es einige atemberaubende Farben geben.

Herr Kremer schmunzelt und beantwortet die Frage sehr diplomatisch, denn es sei ungerecht eine Farbe besonders hervorzuheben, da jede Farbe ihre Wichtigkeit besitzt. Dennoch, „Alle Farben sind an ihrem richtigen Ort schön.“

Dieser Satz bleibt auch nach der Veranstaltung noch in meinem Kopf. Auf dem Rückweg betrachte ich verschiedene Farben an verschiedenen Orten und frage mich, ob sie für mich die richtigen Farben am richtigen Ort sind. Und gerade wenn ich an meine eigenen Malereien denke, passt diese Betrachtungsweise ausgezeichnet. Wo setze ich welche Farbe hin? Denn jede Farbe hat ihren eigenen Platz und eine spannende Entdeckungsgeschichte. 

Mehr zur Firma Kremer und Pigmente findet ihr Hier.

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