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Toninho Dingl

Es ist Freitagnachmittag, die Sommersonne scheint und ich versuche Toninho am Telefon zu erreichen. Nach einigen technischen Startschwierigkeiten (die Verbindung von Berlin nach Altöttingen scheint wohl nicht die Beste zu sein) begrüßt mich schließlich die warme Stimme von Toninho Dingl, geboren 1988 in Burghausen, Student an der Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe und unser Studentenkunstmarkt Künstler des Monats August. Mit seinem Werk “Ibuprofen 2.350.000 mg“, überzeugte er unsere Community mit seiner täuschend echten und doch in der Größe überzogenen Darstellung einer Ibuprofenpackung. Der Titel, ein Augenzwinkern: 2.350.000 Milligramm Ibuprofen – das würde die Dosis einer Packung in solcher Größe betragen.

Die Idee dahinter geht aber tiefgründig und findet ihre Wurzeln in einer sehr philosophischen Frage nach dem Verhältnis zwischen Ästhetik und Anästhesie:

Für den Künstler entspricht hierbei der Begriff der Ästhetik unserer Eingangshalle der Erfahrungen.

Der Anästhesist als Gegenspieler der Künstlerin, versteinert und betäubt die Sinne. Dieser „hält die Erfahrungshalle möglichst klein“, so Dingl, und stellt somit die Antithese von Ästhetik auf, die in der zerdrückten Tabletten-Packung als „verbeulte Dialektik“ frei nach Heiner Müller und Alexander Kluge malerisch aufgehoben wird.

Immer ready - niemals Ready-made.

Toninho Dingel bewegt sich leichtfüßig auf dem Seil zwischen Humor und literarischen Tiefen und das ohne jegliche Schwerfälligkeit. Er weicht eventuellen Naivitäten und Kitsch gekonnt aus und erfindet Werke die einen zum Schmunzeln und dennoch zum Nachdenken anregen. Die Betrachter:in spielt eine wichtige Rolle und sieht sich in der Verantwortung auf die Bilder zu reagieren.

Seine Ideen bleiben vielfältig und legen sich nicht auf eine bestimmte Richtung fest, die Grenzen der Malerei werden ausgelotet und bespielt -teilweise inspiriert von Künstler:innen wie Nicole Eisenmann oder Marcel Duchamp. Allerdings sind seine Arbeiten niemals Ready-made. Hinter jedem der Werke steckt viel künstlerische Arbeit und Handwerk.

Je größer das Ding, desto größer die Katastrophe.

Der Ball der im Schulsport knapp am Feuermelder vorbei fliegt, eine Situation die fast jede:r noch von früher kennt. Zum Verwechseln echt sehen seine Kopien aus und die Anziehungskraft die ein solch kleines Ding von sich geben kann, ist enorm. Das Spiel mit dem Reiz greift Dingl in seiner Feuermelder Serie auf. Was passiert, wenn dieser groß aufgezogen wird und in Übergröße an der Wand hängt? Eine Zielscheibe für den kindlichen Reiz, der sich dann irgendwie doch noch ins Erwachsenenalter verschleppt, frei nach dem Motto ,,Je größer das Ding, desto größer die Katastrophe.“

Aktuelle Ausstellungen:

Wer aktuell in Berlin ist, hat die Möglichkeit die Werke von Toninho Dingl in der Ausstellung der MISA zu betrachten.

Mit einer großen Bescheidenheit erzählt er mir von der aktuellen Ausstellung – fast so als wäre seine dortige Präsenz eine große Verwechslung. Ist es natürlich nicht – seine zwei Werke sind bereits vor ihrem Eintreffen verkauft.

Seine Arbeiten sind eine große Bereicherung für die moderne Kunstwelt, umso mehr freuen wir uns Toninho Dingl als Teil der Studierenden-Kunstmarkt Ausstellung 2021 in Leipzig begrüßen zu dürfen. Wir sind gespannt, was wir dort von ihm zu sehen bekommen und froh ihn als Künstler in unserer Studierenden-Kunstamrtk Community begrüßen zu dürfen.

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